Jura reinigen: Welche Tabs, welches Mittel und wie oft - die komplette Anleitung
- Aktualisiert am:
- Markus Weber
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Schimmel in der Maschine? Nein danke.
Letzte Woche stand mal wieder ein Kumpel mit seiner streikenden Jura Z10 vor mir in der Werkstatt. "Markus, der Kaffee schmeckt plötzlich total bitter. Was ist da los?" Ein Blick in den Tresterbehälter reichte mir eigentlich schon. Schimmel. Kaffeefett, das sich über Wochen festgefressen hat. Genau deshalb schreiben wir heute über das absolute Kernthema: Jura reinigen: Welche Tabs, welches Mittel und wie oft - die komplette Anleitung.
Ehrlich gesagt: Die Maschinen von Jura sind fantastisch gebaut. Aber – und das ist ein riesiges Aber – da die Brühgruppe fest im Gehäuse verbaut ist, musst du dich zu 100 % auf das interne Reinigungsprogramm verlassen. (Für alle, die sich gerade fragen, ob das immer so ist: Nein, bei anderen Marken lässt sie sich oft entnehmen – mehr dazu in unserem Jura vs. De'Longhi Vergleich). Wenn du hier pfuscht, trinkst du bald bakteriell bedenklichen Kaffee. Also, wie machen wir das richtig?
Schritt 1: Jura reinigen: Welche Tabs, welches Mittel und wie oft – Das richtige Timing
Die kurze Antwort auf die Frage nach dem "Wie oft"? Wenn die Maschine es verlangt. Die meisten aktuellen Jura-Vollautomaten (wie etwa die Modelle aus unserem Jura E8 vs. Jura S8 Test) melden sich nach exakt 180 Kaffeebezügen oder 80 Einschaltspülungen.
Aber hier kommt mein Barista-Senf dazu: Warte nicht immer stur auf die rote Lampe auf dem Display! Gerade wenn du sehr dunkel geröstete, stark ölige Espressobohnen nutzt, verklebt das feine Sieb der Brühgruppe deutlich schneller. Das Resultat? Channeling im Puck und ein wässriger, flacher Espresso. (Wenn dein Espresso ohnehin oft zickt, schau mal in unseren Guide: Fehler im Espresso erkennen). Spätestens nach zwei Monaten solltest du den Reinigungszyklus manuell anstoßen, völlig egal was der Zähler sagt.
Schritt 2: Welche Tabs und Mittel brauchst du wirklich?
- Jura 3-Phasen-Reinigungstabletten
Mein absoluter Favorit und die klare Empfehlung. Sie lösen das Kaffeefett bei exakt 80°C Wassertemperatur auf, versiegeln die Leitungen im zweiten Schritt und schützen vor neuen Ablagerungen. Ja, sie sind teuer. Aber sie sind jeden Cent wert, weil sie ...
- Günstige Dritthersteller-Tabs
Funktionieren grundlegend, da sie meist auf einfachem Natriumpercarbonat basieren. Allerdings fehlt ihnen oft die wichtige Versiegelungskomponente. Das offizielle Datenblatt zur chemischen Kaffeefettlösung (z.B. nachzulesen in unabhängigen Tests der St...
- Milchsystem-Reiniger
Nutze hier NIEMALS Spüli! Du brauchst zwingend einen alkalischen Reiniger, der Milcheiweiße aufspaltet, ohne die feinen Kunststoffschläuche porös zu machen. Jura bietet hier extrem praktische Mini-Tabs mit Dosierer an.
Warum Hausmittel der Tod für deinen Kaffee sind
Ich sehe es immer wieder auf meinem Werkstatt-Tisch. Leute versuchen krampfhaft, 5 Euro im Monat zu sparen und kippen Essig in den Wassertank oder spülen das Milchsystem mit normalem Spülmittel durch. Tu. Das. Nicht.
Kaffeefett ist extrem hartnäckig. Normale Haushalts-Tenside schaffen das nicht rückstandslos. Die Folge? Dein nächster Kaffee schmeckt leicht nach Seife und die feinen Ventile verkleben mit der Zeit. Gerade bei Modellen mit komplexem Fluidsystem bist du auf die exakt abgestimmte Chemie angewiesen. Vertrau mir hier einfach.
Schritt 3: Der Reinigungsvorgang im Detail
Los geht's mit der Praxis. Wassertank frisch füllen, Tropfschale und Kaffeesatzbehälter komplett leeren und wieder einsetzen.
Und jetzt kommt der absolut wichtigste Moment, bei dem 90 % der Nutzer einen Fehler machen: Wirf die Tablette ERST ein, wenn die Maschine dich auf dem Display aktiv dazu auffordert! Zu früh eingeworfen, landet die Tablette im komplett trockenen Pulverschacht. Wenn dann das Wasser kommt, löst sie sich nicht richtig auf und du spülst den halben Tab ungenutzt in den Trester.
Der gesamte Prozess dauert etwa 20 Minuten. Währenddessen pumpt die Jura das heiße Wasser in Intervallen durch die Brühgruppe. Diese Pausen sind essenziell, weil das Reinigungsmittel schlichtweg Zeit braucht, um die verkrusteten Öle chemisch aufzubrechen.
Schritt 4: Das Milchsystem – Der heimliche Endgegner
Wenn es aus deiner Jura plötzlich leicht säuerlich riecht... Bingo. Das Milchsystem. Die automatische Heißwasserspülung direkt nach deinem Cappuccino ist toll, reicht aber auf Dauer einfach nicht aus. Einmal am Tag musst du richtig ran.
Fülle den mitgelieferten Reinigungsbehälter mit Wasser und der exakten Menge Jura Milchsystem-Reiniger. Schließe den Silikonschlauch an und starte das Programm. Die Lösung frisst sich regelrecht durch die verbliebenen Milcheiweiße. Danach spült die Maschine mit klarem Wasser nach. Kleiner Tipp am Rande: Tausche den Milchschlauch trotzdem alle 3 Monate aus. Der kostet nur ein paar Euro, macht hygienisch aber einen gewaltigen Unterschied.
Markus Weber, Technik-Experte Ein Kaffeevollautomat mit fest verbauter Brühgruppe ist nur exakt so hygienisch wie der Mensch, der ihn reinigt. Wer aus Geiz an den Tabletten spart, zahlt ein Jahr später die zehnfache Werkstattrechnung.
Schritt 5: Reinigung vs. Entkalkung (und das Fazit)
Was viele immer noch durcheinanderbringen: Reinigung und Entkalkung sind zwei völlig verschiedene Prozesse. Die Reinigungstablette entfernt Kaffeefett. Der flüssige Entkalker entfernt Kalk.
Nutzt du den Jura Claris Smart Wasserfilter im Tank? Dann entfällt das Entkalken meistens komplett, da der Filter das Wasser vorher weich macht und die Maschine das intelligent erkennt. Fehlt nur noch ein weicher Lappen für die Chrom-Frontblende und du bist fertig.
Maschine sauber? Keine Fehlermeldung mehr? Perfekt. Dann belohn dich jetzt mit einem frisch extrahierten Espresso. Du hast es dir verdient.

